© Stadt Ennepetal1. Am 14 und 15. Juli 2021 kam es nach heftigen Regenfällen in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz zu Überflutungen. Was passierte damals in Ennepetal?
Gegen 16:30 Uhr am 14, Juli verdichteten sich sehr schnell die Hinweise bei der Feuerwehr, dass auch Ennepetal von dem schweren Starkregenereignis betroffen sein würde. Nahezu alle Fließgewässer in Ennepetal schwollen damals innerhalb von wenigen Stunden stark an und traten teilweise über die Ufer. 
© Stadt Ennepetal Auch das Kanalnetz konnte die Regenmassen nicht mehr komplett aufnehmen. Die Schnelligkeit und Heftigkeit der Flutkatastrophe überraschte auch katastrophenerfahrene und geschulte Kräfte im ganzen Land.
Gegen Abend des 15. Juli hörte der Regen auf. Die Pegelstände in Ennepetal gingen wieder zurück und die Lage entspannte sich. Die Bestandsaufnahme ergab große Schäden sowohl an der Infrastruktur als auch an Firmen- und Privateigentum.
2. Welcher Schaden entstand dabei?
Zahlreiche Keller waren vollgelaufen, Produktionshallen überschwemmt, Straßen standen unter Wasser und Autofahrer saßen fest. Ufermauern wurden unterspült, und mehrere Brücken stark beschädigt oder komplett zerstört. Teilweise fielen Telefon und Internet aus. Im Ortsteil Hasperbach drangen die Fluten in die Kita und die Mehrzweckhalle ein.
Die Außenbecken des Freibads waren überschwemmt und die technischen Anlagen im Keller des Klutertbades durch eindringendes Wasser beschädigt. Tote und Verletzte waren aber glücklicherweise in Ennepetal nicht zu beklagen.
3. Wie oft war die Feuerwehr damals im Einsatz?

© Stadt Ennepetal Die dramatische Einsatzlage forderte die ganze Kraft der hauptamtlichen sowie der freiwilligen Feuerwehr in Ennepetal. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli gingen über 150 Hilfeersuchen auf verschiedenen Wegen in der Technischen Einsatzleitung ein. In der Spitze waren etwa 120 Einsatzkräfte aus Haupt- und Ehrenamt gleichzeitig im Einsatz.
An zwei Einsatzstellen konnte die Feuerwehr 5 Menschen aus bedrohlichen Lagen retten. Insgesamt leistet die Feuerwehr Ennepetal in der Akutphase in 62 Privatgebäuden, 12 Industriebetrieben, einer Tankstelle und 13 sonstigen Objekten im öffentlichen Raum Hilfe.

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© Stadt Ennepetal Schon am Vortag eilten unsere ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte in benachbarte Städte um den dortigen Einsatzkräften zu helfen. Einige waren demnach doppelt im Einsatz, bevor sie ihre eigene Stadt beschützen mussten. Auch nach den Einsätzen in Ennepetal leisteten sie und andere Hilfsorganisationen wie DRK, Johanniter und THW in weiteren noch stärker betroffenen Regionen Hilfe.
NRW-Innenminister Herbert Reul verlieh im Nachgang vielen Helfer*innen die neu geschaffene Feuerwehr- und Katastrophenschutz Einsatzmedaille. Aus Ennepetal erhielten 145 Frauen und Männer diese Auszeichnung.
4. Wie lief die Koordination während der Flut?
Während der akuten Krisensituation übernahm die Abteilung Bevölkerungsschutz beim Ennepe-Ruhr-Kreis als zuständige Katastrophenschutzbehörde die oberste Koordination. In Ennepetal wurde ein Krisenstab eingerichtet, der mit dem Kreis in ständigem Austausch stand und an dem neben Feuerwehr und Polizei auch die Bürgermeisterin und die Beigeordneten teilnahmen. Hier liefen alle lokalen Informationen zusammen.
5. Gab es eine öffentliche Aufarbeitung der Flut?
Um das Extremwetter-Ereignis zu analysieren und Lehren daraus zu ziehen, fand am 4. November 2021 eine Sonder-Ratssitzung zum Hochwasser statt. Dort gab es neben viel Anerkennung für die Einsatzkräfte und zahlreichen Anregungen (z,B. zum Talsperren-Management) auch Lob für bereits im Vorfeld ergriffene Hochwasserschutzmaßnahmen, wie den Rückbau von Wehren oder die Schaffung von Überflutungsflächen. Vermutlich wäre die Flutkatastrophe ohne diese Maßnahmen noch dramatischer ausgefallen.
6. Wie lange dauerte es, die Schäden zu beseitigen?
Die Beseitigung der Hochwasserschäden im öffentlichen Bereich ist immer noch eine gewaltige Aufgabe für die Stadt, die aber heute (Stand: Juli 2025) größtenteils abgeschlossen ist. Seit dem Hochwasser wurden:
- 30 Geröll- und Schuttablagerungen beseitigt, um die Gewässer wieder durchgängig zu machen
- 11 zerstörte Straßen, Weg und Plätze erneuert
- 7 Ufermauern saniert
- 11 Uferbereiche umgebaut
- 4 Schäden an städtischen Gebäuden saniert (zwei Hochwasserschäden und zwei zerstörte Heizungsanlagen).
7. Was ist noch im Gang?
Die letzte noch laufende Maßnahme ist der Bau einer neuen Brücke über die Heilenbecke am Wittenstein. Die ursprüngliche Brücke wurde beim Hochwasser irreparabel beschädigt. Aktuell wird die neue Brücke dort installiert und die Behelfsbrücke zurückgebaut. Dies wird bis Ende 2025 abgeschlossen sein, so dass vier Jahre nach dem Jahrhundert-Hochwasser alle unmittelbar dadurch verursachten Schäden an der öffentlichen Infrastruktur wieder behoben sind.
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8. Welche Konsequenzen wurden für den Katastrophenschutz gezogen?
Die Erfahrungen aus dem Hochwasser 2021 wurden genutzt, um die Bevölkerung bei zukünftigen ähnlichen Ereignissen noch besser zu schützen:
- Die Verwaltung und die Feuerwehr haben gemeinsam ihre Erfahrungen aus den Einsätzen und aus vielen Gesprächen mit betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern ausgewertet und ihre Einsatzpläne angepasst.
- Die Feuerwehr erhielt zusätzliches Gerät für Hochwasser- oder Starkregenereignisse.
9. Wurde etwas für den präventiven Hochwasserschutz getan?
Seit Juli 2021 wurden Fließgewässer an insgesamt sechs Stellen in Ennepetal umgebaut, beispielsweise Fließgeschwindigkeiten verlangsamt.
Darüber hinaus befinden sich Stadtverwaltung und Ruhrverband im stetigen Austausch, um weitere Verbesserungen an unseren Gewässern vorzunehmen.
In 2024 wurde eine interkommunale Arbeitsgruppe unter Leitung des Ruhrverbandes gegründet, die die Ennepe von der Quelle in Halver bis zur Mündung in die Volme in Hagen unter Hochwassergesichtspunkten durchleuchten wird.
10. Gibt es zukünftig ein Frühwarnsystem?

© Stadt Ennepetal Ja. Die Stadt hat für rund 16.000 Euro zwölf Messgeräte angeschafft und installiert, die den Pegelstand von Ennepe, Heilenbecke und dem Hasper Bach kontinuierlich messen und entsprechende Daten senden.
Beim Überschreiten definierter Pegelstände werden diese Meldungen häufiger und ergeben ein sehr genaues Bild über die Entwicklung des Wasserstands. Zunächst laufen diese Daten bei der Feuerwehr auf. Mittelfristig sollen auch Bürge*innen diese Werte über geeignete Kanäle in Echtzeit einsehen können.
