Am Rand des alten Friedhofs in Rüggeberg, in direkter Nachbarschaft zum Sportplatz, steht ein beeindruckendes Zeugnis bäuerlicher Baukultur: der historische Kornkasten. Datiert auf das Jahr 1717, gehört er zu den ältesten erhaltenen Speicherbauten im Ennepetaler Stadtgebiet – und ist damit ein besonderes Beispiel ländlicher Bauweise und Lebenswirklichkeit des 18. Jahrhunderts.
Seinen ursprünglichen Standort hatte der zweigeschossige Speicherbau am Schnabeler Weg, ebenfalls in Rüggeberg. In den 1960er-Jahren wurde er an seinen heutigen Platz umgesetzt – ein Glücksfall, denn damit konnte das wertvolle Bauwerk erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Der Kornkasten ist in grober Holzständerkonstruktion mit klassischen Holzzapfenverbindungen errichtet. Ein charakteristisches Satteldach mit Ziegeldeckung schließt den Bau nach oben ab. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Gestaltung des Dachabschlusses: First und Ortgänge sind mit Schiefer verkleidet – ein Detail, das sowohl funktionale als auch gestalterische Zwecke erfüllt. An der westlichen Giebelseite führt eine außenliegende Holztreppe zum Eingang des Dachraums, der früher zur Lagerung von Getreide diente.
Als landwirtschaftliches Nebengebäude nimmt der Kornkasten eine wichtige Rolle in der ortsgeschichtlichen Entwicklung ein. Er zeugt von den einstigen Arbeits- und Produktionsverhältnissen auf dem Land und gibt Einblick in eine Zeit, in der Vorratshaltung und Selbstversorgung das tägliche Leben prägten.
Sein heutiger Seltenheitswert und die überlieferte Bauweise machen den Kornkasten auch aus volkskundlicher Sicht besonders erhaltenswert. Am 28. März 1984 wurde er daher unter Denkmalschutz gestellt.
Mit dem Kornkasten wird nicht nur ein historisches Gebäude bewahrt, sondern auch ein Stück lebendige Erinnerungskultur an die bäuerliche Vergangenheit Rüggebergs.


