In erhöhter Lage, unübersehbar im Stadtbild von Milspe, erhebt sich die Evangelische Pfarrkirche als eindrucksvolles Zeugnis neugotischer Sakralarchitektur. Errichtet zwischen 1895 und 1898 nach einem Entwurf des Hagener Architekten Emil Eichelberg, prägt sie nicht nur das Ortsbild, sondern spiegelt auch den architektonischen Zeitgeist der späten wilhelminischen Epoche wider.
Die Kirche ist als dreischiffige Hallenkirche mit kleinem Chor, Apsis und Querturm konzipiert. Besonders markant ist die westliche Dreiturmfassade, die dem Bau eine feierliche Monumentalität verleiht. Das in Schiefer gedeckte Satteldach wird durch Lisenen, Gesimse und Rundbogenfriese rhythmisch gegliedert. Die typischen Spitzbogenfenster tragen reiches neugotisches Maßwerk, das dem Bau seine charakteristische Stilprägung verleiht.
Der Hauptturm ruht auf einem quadratischen Sockel mit stilisierten Schallöffnungen für das Geläut und schließt mit einem oktogonalen Pyramidendach samt Kreuzspitze ab. Besonders kunstvoll gestaltet ist das Hauptportal: Eine zweiflügelige Holztür mit reich geschnitzten Ornamenten und schmiedeeisernen Beschlägen, überragt von einem neugotischen Wimperg, heißt Besucherinnen und Besucher willkommen.
Der Innenraum wurde 1963 restauriert: Die Holzdecke erhielt dabei eine Ausmalung, und die originalen Fenster wurden aufgearbeitet. Die Empore mit Orgel thront auf schlanken Säulen mit Blütenkapitellen, deren Brüstungen mit Maßwerkdekor versehen sind – ein harmonisches Zusammenspiel von Raum und Ornament.
Architektonisch besonders bemerkenswert ist die Raumdisposition des Inneren: Die polygonal geschlossenen Kreuzarme treten im Innenraum nicht in Erscheinung – ein seltenes Merkmal. Die betont längsgerichtete Raumgliederung verweist auf neue liturgische Raumkonzepte, die sich ab den 1880er Jahren entwickelten. Als Vorbild könnte die St. Gertrud-Kirche in Hamburg-Uhlenhorst von Johannes Otzen (1882–85) gedient haben.
Die Kirche in Milspe ist nicht nur von großer ortsgeschichtlicher Bedeutung, sondern auch ein kunst- und architekturgeschichtliches Dokument. Ihre Erhaltung ist daher aus städtebaulichen wie auch denkmalpflegerischen Gründen unbedingt geboten. Bereits 1910 wurde sie in das Denkmalinventar des damaligen Provinzial-Konservators Paul Clemen (bzw. Ludorff) aufgenommen. Am 26. April 1984 erfolgte schließlich die offizielle Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Ennepetal.


