Wildbienenschutz im Garten und auf dem Balkon

von Elke Zach-Heuer


Basisvoraussetzungen zur Ansiedlung und zum Überleben von Wildbienen sind:

  1. Nistort
  2. Requisiten
  3. Nahrungsangebot

1. Nist-Orte
- für Bodennister:

Fugen zwischen Weg- und Terrassenplatten; Fugen in Steinmauern; Spalten und kleine Risse in Steinbrocken; Rasenflächen; Sandkasten; Kiesbett, Steilhänge, Trockenmauern, Abhänge.

- für Hohlraumbesiedler:
Totholz, morsches Holz alte Zaunpfähle, Hohlräume aller Art: Fugen in Gartenmöbeln, Führung für Rollläden, Bohrungen in Holzwänden und Mauerwerk, etc.

2. „Requisiten“ für den Nestbau:

Offene Bodenstellen, wo insbesondere hohlraumbewohnende Arten passende Erd- oder Lehmklümpchen sammeln können, sowie sandige Stellen mit schütterem Bewuchs.

Einige Arten benötigen Pflanzenhaare von z.B. der Klein- bzw. Großblütigen Königskerze (Wollkraut) oder dem Deutschen Ziest.

3. Nahrungsangebot:

Blumenwiesenmischungen sollten einige der folgenden Pflanzen enthalten:

Wiesenflockenblume, Wiesenglockenblume, Wiesen-Knautie, Wiesen-Pippau, Margerite, Esparsette, Zaunwicke, Wiesensalbei, Schafgarbe, Trauben Skabiose, Rotklee, Hornklee, Luzerne, Kriechender Günsel. Rote Lichtnelke, Klatschmohn, nicht gefüllte Ringelblume, Sonnenblume, Moschusmalve, Wiesenschaumkraut, ungefüllte Kornblume

Küchenkräuter:
Verschiedene Arten des Thymians, Majoran, Rosmarin, Schnittlauch und andere Zwiebelgewächse, Bohnen- und Bergbohnenkraut, Ysop, Kerbel, Koriander, Borretsch, Liebstöckel, Eibisch, Kamille

Sonnige Staudenrabatten mit nicht zu fettem Boden (evtl. Sand unterheben):

Natternkopf, Echte Katzenminze, Rapunzelglockenblume und andere Glockenblumenarten, Steinkraut, Fetthenne, Reseda, Frühlingsfingerkraut, Gewöhnliche Kratzdistel, Nickende Distel, Ochsenauge, Heilziest, Deutscher Ziest, Wilde Möhre, Bergflockenblume, Lavendel, Johanniskraut, Rainfarn, Flachblättriger Mannstreu, Ruhr-Flohkraut, Heil-Ziest, Garten/Wiesensalbei, Roter Fingerhut, Feld/Gartenrittersporn, Türkischer Mohn, Islandmohn

Steingarten:
Frühlingsfingerkraut, Steinkraut, Thymian, Färberkamille, Hauhechel, Esparsette, Kugellauch, Mauerpfeffer, Alant, Felsenfetthenne,Weiße Fetthenne, Edelgamander, Gamander-Ehrenpreis, Natternkopf, Rundblättrige Glockenblume, Pastinak, Rainfarn, kleines Habichtskraut, Sempervivum-Arten, Sedumarten, Blaukissen, Steinkraut, Gänseschöterich, Woll-Ziest

Frühblüher:
Zwiebelgewächse wie Blaustern, Wildtulpen, Wilder Krokus; Duftende Primel

Schattenplätze im Garten (Gebüsch, Nordseite von Gebäuden):
Lungenkraut, Kriechender Günsel, Waldwitwenblume, Großer Baldrian, Nesselblättrige Glockenblume, Waldziest, Stinkender Storchschnabel, Waldweidenröschen, Bärlauch, Nesselarten

Feuchte Stellen, Gewässerrand, feuchter Gehölzrand:
Sumpfschafgarbe, Sumpf-Hornklee, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Pfenniggilbweiderich, Blutweiderich, Wiesenalant, Gemeiner Beinwell, Sumpf-Ziest, Wald-Ziest

Zäune/Böschungen/Wände:
Herzgespann, Breitblättrige Platterbse, Efeu, Resedaarten, Jasmin, Gewöhnliche Wegwarte

Bäume, Sträucher:
Berberitze, Feldahorn, Wildrosen, Brombeere, Himbeere, Roter Hartriegel, Salweide, Purpurweide, Ohrweide, Zweigriffliger Weißdorn, Faulbaum, Sommerflieder (Buddleja)

Stickstoffreiche Böden:
Schwarzer Holunder, Schwarznessel (Ballota nigra), Rote Lichtnelke

Gefüllte Blüten sind völlig indiskutabel! Diese Pflanzen können keinen Pollen und Nektar mehr liefern!

Von den Pflanzen immer mehrere verwenden, damit das Nahrungsangebot ausreicht!

Keine Wildpflanzen ausgraben, Samen sammeln und aussäen.

Darauf kann ein Garten gut verzichten -InsektenUNfreundliche Pflanzen -:

  • Forsysthie, Japanische Zierkirsche, Lebensbaum, Wacholder, Tulpe, Europäischer Pfeifenstrauch.
  • Exoten, die einheimischen Insekten nicht als Nahrungsgrundlage dienen können.
  • Artenarme Rasenflächen und Koniferenhecken.

4. Ansiedlung von Hummeln:

Laut Gesetz ist es untersagt, Hummeln zu fangen. Aus diesem Grund ist das Zwangsansiedeln der Königinnen ebenfalls verboten. Sicherer ist es, auf die Eigeninitiative der Königin zu setzen. Zudem können Laien nicht zwischen einer nest/nahrungssuchenden Hummelkönigin unterscheiden. Völlig ungeeignet ist ein Ansiedlungsversuch unter einem umgedrehten Blumentopf. Eingegrabene Blumentöpfe sind Todesfallen!

5. Tipps zum Bau von Nisthilfen

Stabile Aufhängung oder Aufstellen in Richtung Süd-Ost, Süden, Süd-West mit Wetterschutz.

Hohlraumdurchmesser = Kopfdurchmesser! Innendurchmesser = Kopfdurchmesser: 2-10 mm; gerne benutztes Maß = 3-6 mm.

Geeignete Länge des Gangs: z. B. Mauerbienenarten 10 cm - 25cm.

Keine Hindernisse im Eingang oder im Gang (Stroh, Knoten, Holzfasern, Harz).

Holz:
Verwenden Sie nur gut abgelagertes, unbehandeltes Hartholz wie Eiche, Obstbaum, Esche, Buche. Rinde entfernen, Bohrungen in Längsrichtung zur Holzfaser.

Ungeeignetes Weichholz wie Fichte, Tanne, Kiefer harzt, quillt und reißt. Aufquellen und Risse im Holz begünstigen Verpilzung und bedeuten meist den Tod für die jungen Bienen!! Harz verklebt die Gänge.

Bohrlöcher mit Sonde reinigen und gut abschleifen, um eine Verletzung der empfindlichen Flügel zu verhindern.

Hohle Stängel und markgefüllte Äste:

Mit scharfer Gartenschere oder feiner Säge hinter dem Knoten (Verdickung) abschneiden. Der Knoten ist undurchdringlich und dient als hinteres Ende.

Lehmwand:
Geeignetes Grabesubstrat anbieten, die Kiefer nutzen sich beim Graben ab.

Der trockene Lehm muss sich mit dem Fingernagel einfach abkratzen lassen.

Kein Flechtwerk oder Stroh einarbeiten, auch kleine Steine unbedingt herausnehmen. Bienen können diese Hindernisse nicht überwinden.

Ganz wichtig: Schutz vor Feuchtigkeit. Pelzbienen suchen auch an schattigen Plätzen nach Nistmöglichkeiten.

Wo kann man weitere Informationen beziehen:
Hautflügler (Bienen, Wespen etc.) allgemein:www.hymenoptera.de

Alles, was der Hautflüglerfan braucht. Aktuelles aus der Hautflüglerszene, jede Menge Tipps für Haus und Schule:
www.wildbienen-kataster.de
www.wildbienen.de/wbstart.htm

www.wildbiene.com
www.bombus.de

Sehr gut aufbereitete Informationen:www.aktion-hummelschutz.de

Literaturempfehlungen:

  • Grzimek, Bernhard et al. (1971): Grzimeks Tierleben. Jubiläumsausgabe des vollständigen Werkes in 13 Bänden. Kindler-Verlag, Zürich.
  • Von Hagen, Eberhard: Hummeln
  • Müller / Krebs / Amiet: Bienen
  • Westrich, Paul: Wildbienen. Die anderen Bienen

Viel Spaß beim Beobachten der Artenvielfalt auf Ihrem Balkon oder in Ihrem Garten!

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