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Rüggeberger Straße 247 (evangelische Kirche)

Die 1798 gegründete „Evangelisch-Lutherische Gemeinde zu Rüggeberg“ fasste 1820 den Entschluss, am Marktplatz in Rüggeberg ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Die Genehmigung zum Bau der neuen Kirche wurde am 25.11.1823 von der I. Abteilung der Königlich Preußischen Regierung in Arnsberg erteilt (Daten und Fakten aus Hermann Hirschberg: „Die Kanzel in der Evangelischen Kirche zu Ennepetal-Rüggeberg - Ein kostbares Zeugnis heimischen Kunsthandwerks“ in Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung, Neue Folge, 33 Heft, 1983). Am 26.05.1825 ist dann der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt worden, die nach fast zweijähriger Bauzeit am 22.04.1827 feierlich eingeweiht werden konnte. Die reinen Baukosten (ohne die Kosten für die Innenausstattung) betrugen 2.572 Reichstaler und 9 Pfennige. Man kann davon ausgehen, dass die Baupläne von der unter Schinkels Leitung stehenden Königlich Preußischen Oberbaudeputation geprüft und gebilligt werden mussten, obwohl Belege hierfür fehlen. Der vorzufindende schlichte klassizistische Charakter der einschiffigen Saalkirche mit rechteckiger Apsis spricht für diese Vermutung. Die Seitenwände des weißverputzten Gebäudes werden durch drei hohe Rundbogenfenster in einfachen Sandsteinfassungen mit jüngeren Glasmalereien belichtet. Auf der südlichen Giebelseite befindet sich das Eingangsportal mit Gesimsverdachung und Inschriftentafel. Der an der Nordseite gelegene Turm wurde erst 1882 nach einem Entwurf des Architekten Schulze aus Gevelsberg errichtet. Anlass hierzu war der große Dorfbrand in Rüggeberg vom 24.03.1880, bei dem der über dem Eingang thronende Dachreiter mit zwei Glocken verlorenging. Der Turm hat zwei Kaff- und ein Dachgesims mit stilisiertem Zahnschnittfries. Das achteckige spitze Schieferdach sitzt auf einer quadratischen Basis.  

Das Innere der Kirche wurde wesentlich nach dem Turmanbau von 1882 verändert. Hierbei wurde der Chor apsisartig in das Erdgeschoss des neuen Turmes einbezogen und aus liturgischen Gründen Altar und Kanzel dort platziert. Der ursprüngliche Altar wurde abgebrochen und durch einen neugotischen Altar ersetzt, der wiederum 1962 einem schlichten, farblich angepassten Altar Platz machen musste. Erhalten geblieben ist die auf zwei (ursprünglich drei) Säulen ruhende Rokoko-Kanzel, die wie bei vielen reformierten Kirchen im Bergisch-Märkischen Raum über dem Altar angeordnet ist und mit diesem eine Einheit bildet. Hirschberg (a.a.O) führt die Verbindung des schlichten klassizistischen Baukörpers mit der Rokoko-Kanzel darauf zurück, dass bei der äußeren Gestaltung des Gebäudes die Königlich Preußische Oberbaudeputation entsprechend den Anweisungen des Klassizisten Schinkel die Baugestaltung ihrer Facon durchsetzen konnte, dies aber bei der Innengestaltung nicht mehr möglich war oder nicht mehr durchgesetzt werden konnte. So erklärt es sich, dass Altar, Kanzel und Schalldeckel im Stil des Rokoko ausgeführt wurden, da der Baustil Rokoko auf dem Lande noch vorherrschend war und der neue Baustil Klassizismus hier noch nicht vertraut genug war.  

Rokoko-Altar und der Schalldeckel über der Kanzel sind inzwischen verlorengegangen. Die Kanzel in ihrer ursprünglichen Farbigkeit ist noch erhalten. Es ist ein Werk der damals in Voerde ansässigen Schreinermeisterei Johannes Daniel Rafflenbeul und Johann Peter Schürmann. Eine ausführliche Beschreibung und Deutung findet sich bei Hermann Hirschberg, a.a.O.  

Die Evangelische Kirche zu Rüggeberg ist ein Bau von ortsgeschichtlicher Bedeutung. Erhaltung und Nutzung sind aus kunstgeschichtlichen und volkskundlichen Gründen geboten.

 

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