Korkensammlung - ein nachhaltiges Projekt mit langer Tradition in Ennepetal

Naturkorken, Abfallprodukte des Wein- und Sektkonsums - ein kleines bisschen Abfall, das in unserer Restmülltonne ohne Aufsehen zu erregen problemlos verschwindet? Nein! In Ennepetal sammeln die Bürger diese kleinen Verschlüsse für einen guten Zweck. Und es kommt eine gewaltige Menge zusammen. Man kann jährlich mit mindestens 5 qm Korken rechnen, die dem Epilepsiezentrum in Kehl-Kork zur Wiederverwertung zur Verfügung gestellt werden.

Die in Ennepetal gesammelten Flaschenkorken werden kostenfrei unter Ausnutzung freier Frachträume durch eine Spedition zum Epilepsie-Zentrum in Kehl-Kork transportiert. Dort produzieren 12 Beschäftigte der Hanauer Werkstätten aus den Korken ein natürliches Dämmstoffgranulat. Ferner produziert im Auftrag der Korker Werkstatt seit 1998 eine Einrichtung der Diakonie, in der junge Langzeitarbeitslose unter dem Leitgedanken „Arbeit statt Sozialhilfe“ eine Arbeit gefunden haben, aus Lehm, Korkschrot, Stroh und Wasser Lehmsteine, die mit guten Wärmedämmeigenschaften ausgestattet sind.

Seit 1991 sammelt die Diakonie Kork Epilepsiezentrum Flaschenkorken im Rahmen ihrer Aktion Korken für Kork, die mittlerweile aufgrund der guten Resonanz auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt wurde.

Seit 1994 werden bereits auf Anregung einer Schülerin am Reichenbach-Gymnasium Naturkorken für das Epilepsiezentrum in Kehl gesammelt.

1996 organisierte die Stadt Ennepetal ein Stadt-weites Sammelnetz, an dem sich viele Schulen und Einrichtungen beteiligen.

Öffentlich zugängliche Sammelstellen sind u.a.:

  • Rathaus (Infostand), Bismarckstraße 21, Ennepetal
  • AVU-Beratungsstelle, Voerder Straße 70, Ennepetal
  • Anju´s Kosmetikstudio, An der Kirche 5, Ennepetal
  • Städtische Bücherei, Haus Ennepetal, Gasstraße 10, Ennepetal

Naturkorken werden aus der Korkeiche gewonnen. Die Korkeiche ist eine landschaftlich prägende Charakterbaumart weiter Gebiete des westlichen Mittelmeerraumes. Die Korkeichenwälder werden weitgehend (wegen der Nutzung erfolgen regelmäßige Auslichtungen) in einem halbnatürlichen Zustand belassen.

Kork verfügt über hervorragende Materialeigenschaften: er ist sehr leicht, haltbar, dehnbar, aufgrund seiner eingelagerten wachsähnlichen Substanz kann kein Wasser hindurchströmen, leitet schlecht Wärme und Schall und ist schwer entflammbar.

Verarbeitet wird das Material zu Flaschenstopfen, Schwimmgürtel und Isoliermaterial. Es wird aber auch gerne von Schulen und Kindergärten als Bastelmaterial verwendet.

Die Korkensammlung in Ennepetal ist ein typisches Beispiel für praktizierte Lokale Agenda 21, da alle drei Dimensionen der Agenda 21 -Arbeit, Umwelt- , soziale und wirtschaftliche Aspekte, umgesetzt werden:

Umwelt: Die Korken werden, statt achtlos auf einer Deponie oder in der Müllverbrennung zu „landen“, wiederverwertet und eingesetzt für die Herstellung umweltfreundlicher Baustoffe.

Sozialer Aspekt: Durch die kontinuierliche Sammlung der Korken erhalten zahlreiche Menschen mit Behinderung eine dauerhafte Anstellung bzw. jugendliche Langzeitarbeitslose ein Sprungbrett für das berufliche Fortkommen. Ferner werden zahlreiche Kontrakte zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen im Rahmen der Besucherarbeit in Kehl hergestellt.

Wirtschaftlicher Aspekt: Mit den Korken wird ein umweltfreundlicher Baustoff produziert, der mittlerweile direkt bzw. in über 100 Fachmärkten vertrieben wird. Die Verkaufspreise sind betriebswirtschaftlich kalkuliert und orientieren sich an den marktüblichen Preisen der vergleichbaren Dämmstoffe. Bei laufender Sammlung und Produktion trägt der Verkaufserlös die Unkosten und die Aktion sich damit selbst auch ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand.

Ein besonders herzlicher Dank an alle, die Korken sammeln und diese dem Epilepsiezentrum zur Verfügung stellen! Bitte sammeln Sie weiter und machen Sie auch die Menschen in Ihrem Umfeld auf die Thematik aufmerksam, die bisher von dieser Aktion nichts wussten.

http://diakonie-kork.de/de/spenden/korken.php