16.12.11 13:03 Alter: 1 Jahr(e)

Grußwort des Bürgermeisters Wilhelm Wiggenhagen

Kategorie: Aus dem Rathaus

Von: R. Linke

Weihnachtsfest und Jahreswechsel 2011/12

Liebe Ennepetalerinnen und Ennepetaler,

die dunkle Jahreszeit ist die Zeit der Geschichten und auch ich möchte Ihnen eine erzählen. Sie handelt von drei Bäumen, die in einem Wald dicht beieinander standen und manchmal über ihre Träume sprachen:

„Eines Tages werde ich eine Schatztruhe sein, voll mit Edelsteinen und Gold. Ich werde mit aufwendigen Schnitzereien bedeckt sein und jeder wird meine Schönheit sehen,“ sagte der erste Baum.

Der zweite Baum sprach: „Eines Tages werde ich ein gewaltiges Schiff sein. Ich werde Könige und Königinnen über die Meere fahren und jeder wird sich wegen der Stärke meines Schiffskörpers in mir sicher fühlen.“

Zum Schluss sagte der dritte Baum: „Eines Tages werde ich der größte Baum der Welt sein. Wenn mich die Leute sehen, werden sie erkennen, wie nahe ich daran bin, Gott zu berühren.“

Eines Tages kam eine Gruppe von Förstern in den Wald. „Dieser sieht nach einem starken Baum aus,“ sagte der erste, „ich denke ich werde dieses Holz an einen Zimmermann verkaufen können.“ Während er den Baum fällte, war der Baum glücklich, denn er wusste, dass er jetzt zu einer Schatztruhe werden würde.

Der zweite Förster sagte: „Dieser Baum sieht auch sehr gut aus, ich denke, dass ich ihn auf der Schiffswerft verkaufen kann.“ Auch der zweite Baum war glücklich, denn er war auf dem Weg, ein gewaltiges Schiff zu werden.

Als aber der dritte Förster zu dem dritten Baum kam, war dieser sehr erschrocken, denn er wusste, wenn er jetzt gefällt wird, würde sein Traum, einmal der höchste Baum im Wald zu werden, nie in Erfüllung gehen. Der dritte Förster sagte: „Ich brauche etwas Brennholz, dieser Baum ist genau das Richtige für mich.“

Als der erste Baum beim Tischler ankam, wurde er zu einer Futterkrippe gemacht. Diese wurde mit Heu gefüllt und in eine Scheune gestellt. Das war absolut nicht das, was er erhofft hatte. Der zweite Baum wurde zersägt und es wurde ein Fischerboot daraus gebaut. Sein Traum, ein gewaltiges Schiff zu werden, das Könige über die Meere fahren würde, zerbröckelte. Der Förster, der den dritten Baum gefällt hatte, starb kurz danach und der Baum wurde nie als Brennholz verwendet. Er wurde in große Holzbalken zersägt und in einen Schuppen gelegt.

Eines Nachts aber kamen ein Mann und eine Frau zu der Futterkrippe, die aus dem ersten Baum gezimmert war. Die Frau brachte ein Kind zur Welt und bettete es in das Heu, das in der Krippe lag. Da fühlte der Baum, dass ihm gerade der größte Schatz aller Zeiten anvertraut worden war.

Jahre später ging eine Gruppe von Männern in das Boot, das aus dem zweiten Baum gefertigt war. In der Nacht erhob sich ein starker Sturm. Der Mann, der inmitten dieses Sturmes auf dem Boot schlief, stand auf, hob die Arme und sagte: „Friede !“ Der Sturm legte sich sofort. Da wusste der Baum, dass er gerade den König aller Könige trug.

Und wieder einige Zeit später wurden die Balken des dritten Baums aus dem Lager geholt. Man zimmerte sie zusammen. Sie wurden durch die Straßen getragen und die Menschen beschimpften den Mann, der sie trug. Der Mann wurde an das Kreuz genagelt, das der dritte Baum jetzt war und in die Höhe gezogen, um vor den Augen aller zu sterben. Das war an einem Freitag. Am darauf folgenden Sonntag wurde dem Baum klar, dass er jetzt groß genug war, um bis in den Himmel zu reichen. Er spürte: Jetzt war er Gott ganz nah.

Liebe Ennepetalerinnen und Ennepetaler,

manchmal werden Träume wahr - wenngleich auf Umwegen und nicht immer sofort als erfüllte Träume erkennbar. Und was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen: zum Beispiel hier bei uns in Ennepetal. Der Umbau des Ennepetaler Bahnhofs ist auf einem guten Weg. Der Förderverein arbeitet zur Zeit gemeinsam mit dem Büro Startklar an dem Antrag auf Förderung des Umbaus aus Landesmitteln und die Signale aus Düsseldorf stehen auf grün.

Dank des Anzugs der Konjunktur fließen wieder mehr Gewerbesteuern nach Ennepetal und ich bin zuversichtlich, im Jahr 2014 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

In diesem Jahr haben unsere zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürger einen Integrationsrat gewählt. In Ennepetal leben heute rund 3.000 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, dies sind fast 9 % der Ennepetaler Bevölkerung. Knapp 1.400 Menschen haben zudem eine zweite Staatsangehörigkeit. Zusammen sind dies fast 4.500 Menschen und damit ca. 14 % der Gesamteinwohnerschaft Ennepetals. Hören wir Ihnen zu, lernen wir voneinander und entwickeln wir weitere Bausteine für ein soziales und humanes Miteinander aller Kulturen, Generationen, Religionen und Geschlechter in Ennepetal. Je früher wir beginnen, unsere Zukunft zu gestalten, desto besser werden wir Integration fördern und leben können. Hier sind Chancen und Potenziale vorhanden, die wir gemeinsam erschließen wollen.

Die Ortsteile wachsen und halten immer weiter zusammen. Stellvertretend für den wachsenden Zusammenhalt ein Beispiel: Am Voerder Kirmeszug haben in diesem Jahr erstmals Vereine aus allen Stadtteilen Ennepetals mit großer Freude teilgenommen.

Ich weiß auch: Nicht alle Träume und Wünsche gehen in Erfüllung. Wenn manche es dann aber doch tun, sollten wir es auch erkennen und anerkennen. Wir sollten uns darüber freuen und es nicht gleich wieder vergessen oder gar schlecht reden. Und was wir ebenfalls nicht vergessen sollten: Wir sind keine Bäume. Das heißt, wir müssen nicht harren und hoffen, dass mit uns das Richtige geschieht. Nein, wir können selber etwas dazu tun, unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Und wir haben es getan - Sie, liebe Ennepetalerinnen und Ennepetaler, haben es in vielen Bereichen unseres Lebens getan: Haben diskutiert, verhandelt und sich durchgesetzt. Haben geplant, entworfen und hart gearbeitet. Haben Ideen gehabt, Zeit investiert und sich Mühe gemacht.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder bewiesen: Wir können viel erreichen, wenn wir wollen. Gemeinsam, mit vereinten Kräften. Ich danke Ihnen für ein kooperatives, engagiertes 2011 und wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr, viel Kraft für die bevorstehenden Aufgaben und vor allem Gesundheit!

Ihr

Wilhelm Wiggenhagen